Düren

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- Löschgruppe Birkesdorf -

 

Wappen Birkesdorf

In der Ersten Hilfe unterscheidet man die Verschiedensten Gifte und den Weg wie sie in den Körper gelangen, also den Aufnahmeweg. Natürlich gibt es Tausende von Stoffen die als Gift eingestuft sind und deren Namen man vielleicht noch nie gehört hat. Aber auch im Normalfall Harmlose Substanzen können bei falschen oder übermäßigem Einsatz auf den Menschen giftig wirken, wie z.B. Alkohol, Vitamine, Tabletten ..... Denn schon der Schweizer Arzt Paracelsus (1493-1541) prägte daher den auch heute noch gültigen Grundsatz:

“Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.”

Da man aber unmöglich alle Gifte und deren Besonderheiten ansprechen kann werden wir hier auf der Seite zu jedem Aufnahmeweg nur vereinzelt Beispiele nennen, die vielleicht im alltäglichen Leben mal vorkommen könnten.

     allgemeine Symptome:

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen
  • Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Doppelbilder, eingeschränktes Sichtfeld....)
  • Schmerzen im gesamten Körper oder starke lokale Schmerzen
  • Giftreste im Umfeld (leere Tablettenverpackungen, Flaschen oder Behälter mit unbekanntem Inhalt, Spritzen ....)

     Gefahren:

  • Bewußtlosigkeit
  • Atem- / Kreislaufstillstand

 

     Maßnahmen:

  • Eigenschutz beachten!
  • Notruf
  • Betreuen / Beruhigen
  • Wärmeerhaltung
  • Giftreste / Erbrochenes aufbewahren

Kommen wir nun zu den verschiedenen Aufnahmewegen:

  1. über die Atemwege (z.B. Gase, Dämpfe, Aerosole ....)
  2. über den Verdauungsweg (z.B. Nahrungsmittelgifte, Stoffe mit Reiz- und Ätzwirkung, Schaum bildende Stoffe)
  3. über das Blut (z.B. Spritzen, Stiche oder Bisse von giftigen Tieren ....)
  4. über die Haut (z.B. Schmerz- oder Nikotinpflaster, einige Pflanzenschutzmittel, Chlor ....)

 

1. Atemwege:

Häufig vorkommende Gase die zur Vergiftung führen sind das Kohlenstoffmonoxid (CO) und Kohlenstoffdioxid (CO2). Beide Gase enstehen bei Verbrennungen, also bei schnell ablaufenden Verbrennungen z.B. einem Feuer (egal ob Lagerfeuer, Heizungsbrenner, Wohnungsbrand o.ä.) aber genauso bei langsam ablaufenden Verbrennungen wie z.B. beim Gären (in Silos, Güllegruben o.ä.).
Das Kohlenstoffdioxid ist aber nicht ganz so gefährlich, da es eigentlich nur schwerer ist als die normale Umluft und sich somit am Boden oder in Senken sammelt. Wenn aber genug Kohlenstoffdioxid z.B. in einem Raum vorhanden ist, drückt es die Luft mit unserem Sauerstoff immer weiter nach oben und wenn es dann über unseren Mund- Nasenbereich geht, bekommen wir einfach keinen Sauerstoff mehr und ersticken.

Bei dem Kohlenstoffmonoxid hingegen gibt es mehrere Gefahren die von diesem Gas ausgehen. Das Kohlenstoffmonoxid bindet sich 250-300 mal lieber an das Blut als Sauerstoff! Nur wenige Atemzüge reichen aus, unser Blut mit soviel Kohlenstoffmonoxid anzureichern, dass dieses Tödlich wirkt. Deswegen sterben die meisten Brandtoten nicht durch die Flammen sondern durch eine Rauchgasvergiftung! (Hiervor können Rauchmelder schützen, in dem sie rechtzeitig bei Rauchentstehung mit einem lauten Warnton warnen.)
Das Kohlenstoffmonoxid ist zudem hoch entzündlich und es reicht oft schon ein Funken um ein Gas-Luftgemisch zur Explosion zu bringen.
Ein typisches Zeichen für eine starke Vergiftung mit Kohlenstoffmonoxid ist die kirschrote Verfärbung der Schleimhäute.

Grundsätzlich bei Verdacht auf eine Vergiftung durch Atemgifte bitte immer den Notruf wählen und auf den Verdacht des Vorliegens eines Atemgiftes hinweisen, denn nur die Feuerwehr mit ihren Umluft unabhängigen Atemschutzgeräten kann den Patienten retten. Der Rettungsdienst verfügt nicht über Atemschutzgeräte! Auch sie sollten diesen Raum / das Gebäude so schnell wie möglich verlassen!

 

2. Verdauungswege:

Bei den Giften die über den Verdauungsweg aufgenommen werden, müssen wir 3 Untergruppen unterscheiden, da die Maßnahmen für den Ersthelfer hier unterschiedlich sind.

Die 1. Gruppe sollen die Lebensmittelgifte bilden. Also Gifte wie Salmonellen, Schimmel, Pilzgifte, Botulinum .... In diese Gruppe nehmen wir jetzt auch einmal die Vergiftung mit Alkohol und Tabletten rein, auch wenn dieses natürlich keine Lebensmittel sind.
Wenn sich also ein Patient mit Lebensmittelgiften vergiftet hat, könne wir als Erste-Hilfe Maßnahme das Erbrechen provozieren. (Wichtig: der Patient muss wach und voll ansprechbar sein, damit er nicht an seinem Erbrochenem ersticken kann.) Dazu entweder mit einem Gegenstand leicht den hinteren Gaumen des Patienten reizen oder ihm eine Salz-Wassermischung aus 0,2 Liter Wasser und darin aufgelöstem Salz (einen Esslöffel voll) verabreichen. Beides führt zum Erbrechen des Patienten und entfernt somit das Gift was sich noch im Magenbereich befindet. Gift das schon ins Blut aufgenommen wurde oder noch im Darmbereich vorliegt können wir als Ersthelfer nicht entfernen. Der Patient muss auf jeden Fall von einem Arzt untersucht werden!

Die 2. Gruppe besteht aus Stoffen mit Reiz- und Ätzwirkung. Also alles was auf Säuren- oder Laugen basiert, wie z.B. versch. Abfluss- und Haushaltsreiniger, Entkalker .....
Ein Patient der sich Verätzungen im Mund-, Rachenbereich und Speiseröhre zugezogen hat, bitte auf gar keinen Fall erbrechen lassen, da beim Erbrechen die Säure oder Lauge noch einmal alles Verätzen und somit das ganze noch schlimmer machen würde. Die zusätzliche Säure ist für den Magen nicht so schlimm denn man trinkt von solchen Substanzen aufgrund der starken Schmerzen nicht besonders große Mengen und zum anderen ist der Magen schon 30%ige Salzsäure (Magensäure) gewohnt und hat dementsprechend Schutzmechanismen (Magenschleimhaut) die ihn vor größeren Schäden schützt. Dennoch muß der Patient auf jeden Fall vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht werden! Was wir als Ersthelfer machen können ist, den Mund des Patienten so schnell wie möglich mit viel Wasser ausspülen und auch kleinere Mengen zu trinken geben, damit die Säure oder Lauge die im Bereich von Rachen und Speiseröhre noch anhaftet verdünnt wird.

Die 3. Gruppe sind die Gifte mit Schaum bildender Wirkung. Also Gifte die vor allem auf Seifen basieren, wie z.B. versch. Haushaltsreiniger, Spülmittel, Hygieneartikel ....
Ein Patient der Schaum bildende Mittel zu sich genommen hat bitte nicht Erbrechen lassen und auch nichts zu trinken verabreichen da beides eine Schaumbildung begünstigen würde. In dem Fall bitte nur um die Beruhigung und Betreuung kümmern und auf den über den Notruf gerufen Rettungsdienst warten.

 

3. Blut:

Bei Giften die direkt ins Blut gelangen z.B. über Spritzen oder Bisse und Stiche von Giftigen Tieren ist es für den Ersthelfer fast unmöglich etwas zu unternehmen. Denn das abbinden, aufschneiden und aussaugen des Giftes klappt nur im alten Wild-West-Film. In Wahrheit würde man nur wenig Gift auf diese Weise entfernt bekommen. Statt dessen würde man nur den Kreislauf durch Aufregung und Schmerzen in Gang bringen und somit dafür sorgen das das Gift noch schneller verteilt wird. Außerdem ist das Gift und Blut im eigenen Mund ja auch nicht ungefährlich! Was wir tun können ist den Patienten zu beruhigen und ruhig zu stellen damit der Kreislauf nicht angeregt wird. Zusätzlich sollte man die Eintrittsstelle tief lagern.

 

4. Haut:

Gifte die über die Haut eingedrungen sind, sind ebenfalls durch den Ersthelfer nicht mehr zu entfernen. Man kann nur dafür sorgen das nicht noch mehr Gift in die Haut eindringt. Dazu den Körper an der Stelle wo das Gift in den Körper eingedrungen ist reinigen, immer unter Berücksichtigung des Eigenschutzes! Dazu am besten erst mit einer Ölhaltigen Emulsion z.B. einer Bodylotion und dann mit viel Wasser abwaschen, damit alle Öl- und Wasserlöslichen Stoffe von der Haut entfernt werden. Die weitere Versorgung übernimmt der Rettungsdienst und das Krankenhaus.

 

Grundsätzliches:

Bei allen Vergiftungen oder auch nur der Verdacht auf eine Vergiftung sollte immer der Rettungsdienst verständigt oder ein Arzt aufgesucht werden. Wenn möglich immer Giftreste oder Erbrochenes aufbewahren, damit eine schnellere Analyse des Giftes zur dementsprechenden Therapie führen kann und somit wertvolle Zeit für den Patienten nicht verloren geht.

 

 

Zuletzt geändert am Donnerstag, 2. Oktober 2014